Frühneuhochdeutsche Literatur
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Die Frühneuhochdeutsche Literatur ist ein Sammelbegriff der Epochen, denn sie kennzeichnet den Beginn des Humanismus im philosophischen Denken, den Beginn der Renaissance in Kunst und Kultur sowie den Beginn der Reformation im geistig religiösen Bereich. Diese literarische Epoche umfasst das 14./15. Jahrhundert bis zum Beginn des Barock 1600.
Inhaltsverzeichnis |
Zeitgeschichte
Anfang des 14./15. Jahrhunderts entwickelte sich in Europa eine neue Art des philosophischen Denkens, das viele philosophische Strömungen miteinander vereinte und das letztlich das bestehende Weltbild revolutionieren sollte. Dieses neue Gedankengut stellte eine Art Gegenbewegung zur Scholastik und der Autorität der Kirche dar. Mit der neuen philosophischen Denkweise rückte die Würde des Menschen (jedes Menschen) und seine freie geistige Entfaltung in den Mittelpunkt des nun entstandenen Humanismus. Die Folge daraus ist unser heutiges Bild des Menschen als freies Individuum. Mit dem Beginn des Humanismus und dem Streben nach freier geistiger Entfaltung bekam das Bildungswesen eine neue Bedeutung und rückte verstärkt in den Vordergrund. Der Humanismus selbst stützte sich jedoch auf die Vorstellung des Menschen in der Antike, weil man im 14. Jahrhundert davon ausging, dass sich die Menschlichkeit in der Antike in ihrer reinsten Form auszudrücken schien. Etwas später entwickelte Erasmus von Rotterdam den christlichen Humanismus, indem er versuchte, das Christentum mit dem Humanismus harmonisch zu verbinden.
Mit dem Beginn des Humanismus änderte sich auch die literarische Epoche, allerdings blieb die humanistische Bewegung in Deutschland nur auf die Gelehrten und daher auf die lateinische Sprache beschränkt. Eine weitere grundlegende kulturelle Veränderung bahnte sich ihren Weg, die Renaissance. Die Renaissance drückte sich in Kunst und Architektur als Ausdruck des Territorialfürstentums aus. Im Vergleich zur Renaissance prägte Deutschland die Reformation in der Kirche allerdings wesentlich mehr.
Des Weiteren veränderte sich das Wirtschafts- und Ständesystem. Das noch vom Mittelalter vorherrschende Ständesystem löste sich allmählich auf, weil die Politik zunehmend abhängig vom Geld der bürgerlichen Kaufleute wurde. Der eigentliche Kampf um die politische Vorherrschaft in Europa wurde zwischen den Königshäusern Habsburgs und Valois ausgetragen. Dieser Kampf führte zur absoluten Fürstenmacht.
Mit dem großen Bauernkrieg zwischen 1524-1525 in Deutschland und letztlich der grausamen Niederlage des bäuerlichen Aufstandes, festigte sich die absolute Fürstenmacht. Die Stellungnahme Luthers "Wider die Aufständischen" festigte des Weiteren die Stellung der Landesfürsten als Kirchenoberhäupter.
Humanismus
Der Humanismus ist einfach ausgedrückt nur ein Begriff, der die Ergebnisse verschiedener philosophischer Strömungen zusammenfasst, die im 14. und 15. Jahrhundert in ganz Westeuropa verbreitet waren und sich am klassischen Vorbild der Antike orientierten. Die Würde des Menschen als frei denkendes Individuum wurde zum Zentrum des Humanismus.
Im 14./15. Jahrhundert gab es gleich mehrere gesellschaftliche Veränderungen, die zu einem veränderten Weltbild des Menschen und somit dem Selbstverständnis des Menschen führten.
- Mensch als Individuum
- Mensch als Zentrum allen Geschehens
- Lösung aus kirchlichen und/oder religiösen Bindungen
- Freiheit in der Entwicklung der Persönlichkeit
- Beginn der politischen Aktivität
Die deutsche Literatur wurde zur Zeit des Humanismus vor allem vom konfessionellem Kampf bestimmt und weitgehend satirisch ausgerichtet. Besonders deutlich wurde der humanistische Geist aber erst im 15./16. Jahrhundert, und dort vor allem in den lateinischen Schriften von Johannes Reuchlins (1455-1522) und Erasmus von Rotterdam (1466-1536). Reuchlin verfasste unter anderem das lateinische Drama "Henno" (1497). Es handelt sich hierbei um eine Bauernkomödie, die zum Vorbild für das lateinische Schuldrama des 16. Jahrhunderts wurde. Im Wesentlichen geht es um die Geschichte des klugen Knechtes, der seinen Herrn hintergeht. Ein weiteres, sehr bekanntes Beispiel aus dieser Zeit ist der Flugschriftenstreit zwischen Reuchlin und Pfefferkorn. Johannes Pfefferkorn war ein Christ, der sich vom damaligen Judentum lossagte, er war es auch, der ab 1507 in Flugschriften und Flugblättern vor allem im sogenannten "Handspiegel" dazu aufrief, den Juden die Bücher wegzunehmen, sie zu Bekehrungspredigten zu zwingen, ihnen den Geldverleih zu verbieten und sie zu vertreiben oder nur niedere Arbeit verrichten zu lassen. Reuchlin hingegen, dem die Literatur der Juden und die hebräische Sprache nicht fremd waren, setzte sich für den Erhalt der jüdischen Literatur ein. Reuchlin war im Übrigen auch der einzige vom Kaiser Maximilian dem ersten eingesetzten Gutachter, der sich gegen die Beschlagnahme und Vernichtung aussprach. Zuletzt erreichte er es auch, das Pfefferkorn seine bisher beschlagnahmten Bücher zurückgeben musste. Reuchlin sah in der jüdischen Literatur ein Zeugnis für die Wahrheit des Christentums und ein Mittel zur Missionierung der Juden, später verteidigte er seine Position mit seiner Schrift"Augenspiegel". Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung Reuchlins mit Pfefferkorn und der kölnischen Universität, erhielt Reuchlin Hilfe von seinen humanistisch ausgerichteten Freunden, der Streit konnte allerdings erst 1520 beigelegt werden, mit der päpstlichen Verurteilung des "Augenspiegels".
Renaissance
Die Epoche der Renaissance bezeichnet eine Zeitspanne zwischen 1350 und dem Beginn des 16. Jahrhunderts in Europa; sie kennzeichnete vor allem der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.
als in Italien die Renaissance anbrach wurden viele literarische Formen, wie der Epos, Lyrik und Satire wiederbelebt, zudem entdeckte man die Volkssprache als Literatursprache, da diese einen größeren Personenkreis umfasst. Zu einem der Bedeutensten Vertreter der Renaissance zählt Dante Alighieri (1265-1321) der als größter Dichter Italiens bezeichnet wird. Dante schrieb um 1307 die "Divina Commedia", zu Deutsch "Göttliche Komödie" die 14230 Verse beinhaltete. Neben Dante gab es allerdings noch zwei weitere bedeutende italienische Autoren der Renaissance, zum einen Francesco Petrarca (1304-1374) sowie sein Schüler Giovanni Boccaccio (1313-1375).
Mit dem Einzug der Renaissance in die Geschichte gab es auch zahlreiche Neugründungen von Universitäten, hier nun eine Liste:
| Universität | Gründungsjahr im 14. Jahrhundert |
| Prag | 1348 |
| Krakau | 1364 |
| Wien | 1385 |
| Heidelberg | 1386 |
| Köln | 1388 |
| Universitäten | Gründungsjahr im 15. Jahrhundert |
| Rostok | 1419 |
| Greifswald | 1456 |
| Freiburg | 1457 |
| Tübingen | 1477 |
| Universitäten | Gründungsjahr im 16. Jahrhundert |
| Wittenberg | 1502 |
| Frankfurt | 1506 |
| Marburg | 1527 |
| Königsberg | 1544 |
Beeinflussung durch die Wissenschaft
Auch die wissenschaftlichen Errungenschaften beeinflussten die Renaissance nachhaltig.
- Entstehung neuer Wissenschaften, dazu gehören: Astronomie, Physik, Medizin, Chemie und Technik.
- Entdeckung neuer Kontinente durch die Erfindung des Kompasses und des Sextanten.
- Neue Auffassungen von Raum und Zeit durch die Erfindung der Taschenuhr (durch Henlein) und dem Fernrohr (durch Galilei).
- durch die Erfindung des Buchdrucks konnten Bücher nun schnell und vielseitig repliziert/kopiert werden. Die Alphabetisierung begann und die Bildung sowie die Gelehrsamkeit wurden revolutioniert.
- Durch die Luterische Kirchenreformation zerbricht die Glaubenseinheit.
- Die Folge: Bauernkriege und religiöse Bewegungen gegen die Autorität der Korruption der Kirche und deren Zentralgewalt.
- Zentralgewalt verliert durch Luther an Macht.
- Entstehung absolut regierter Territorialstaaten.
- Bürgertum festigt sich weiter durch neue Aufgaben, vlg. Beamtentum.
- Wirtschaftlich etablierte sich der Frühkapitalismus.
Einen Übergang von der spätmittelalterlichen Literatur, zur frühneuhochdeutschen Literatur stellt das Werk von Johannes von Tepls "Der Ackermann aus Böhmen". Ursprünglich hatte Tepls den "Ackermann aus Böhmen" aus rein privaten Gründen geschrieben, da am 1. August 1400 seine Frau Margaretha im Kinderbett starb. Das "Der Ackermann aus Böhmen" zu einem Werk wurde, das den Übergang zwischen der Literatur des Spätmittelalters und der frühneuhochdeutschen Literatur darstellt hat verschiedene Gründe, zum einen besticht das Werk durch die mittelalterliche Personifizierung des Todes und der mittelalterlichen Gläubigkeit, allerdings enthält das Werk auch antike Stilmittel wie die Rhetorik und die renaissancegemäße neue Geisteshaltung, das dass Schicksal nicht von Gott gelenkt wird, sowie die Betonung des weltlichen Glücks. Desweiteren ist "Der Ackermann aus Böhmen" das erste in frühneuhochdeutscher Sprache überlieferte Werk des 15. Jahrhunderts.
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Auszug aus "Der Ackermann aus Böhmen" (Gottesurteil /Neudeutsche Übersetzung) "Ihr habt beide wohl gefochten. Den zwingt das Leid zu klagen, diesen die Anfechtung des Klägers, die Wahrheit zu sagen. Darum: Kläger, habe Ehre , Tod, habe Sieg, jeder Mensch ist dem Tod das Leben, den Leib der Erde und die Seele uns zu geben schuldig." |
Reformation
Der Begriff Reformation bezeichnet eine innere Bewegung der katholischen Kirche, die die Vorherrschaft des Papstes in der Kirche beendete und durch Martin Luther schließlich zur Gründung der protestantischen Kirche führte. Ein wesentliches Element der einheitlichen deutschen Nationalliteratur stelle Dr. Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung. Luther legte damit einen Grundstein der deutschen Nationalliteratur. Durch die technische Erfindung Johannes Gutenbergs, dem Buchdruck war auch die Möglichkeit der schnellen Vervielfältigung der Neuübersetzung der Bibel möglich. Aus dem Buchdruck entwickelte sich nach kurzer Zeit auch der Kleindruck heraus, zunächst jedoch nur in Form von Flugschrift und Flugblatt. Dies ermöglichte einen äußerst schnellen und sehr effizienten Nachrichtenaustausch. Damalige Buchdrucker traten deswegen nicht selten selbst als Dichter von Meisterliedern, Reimpaarsprüchen und Fastnachtspielen auf. Einige dieser Dichter/Buchdrucker waren Hans Folz und Pamphilus Gengenbach etwa um 1480 bis 1525.
Gesellschaftliche Veränderung durch die Reformation
Durch die Reformation der Kirche änderte sich das Bild der Kirche mit ihrer absoluten Macht, weil vor allem der Bauernstand heftig gegen die Kirche rebellierte. Im Folgenden seht ihr die Veränderungen aufgelistet:
- Forderung nach einer Reformation der Kirche
- Materielle Not der Bevölkerung
- Karl V (1519-1556) führte insgesamt 4 Kriege gegen Franz I. von Frankreich. (1. Krieg: 1521-1526, 2.Krieg: 1527-1529, 3.Krieg: 1534-1536, 4. Krieg: 1542-1544)
- Bauernkrieg 1524/1525
- Stärkung des Landesfürstentums (zum Teil durch Luther)
- Entstehung der evangelischen Landeskirchen und somit die Verbreitung der einheitlich übersetzten Bibel, sowie anderer theologischer Schriften.
Der Rückbezug auf die antike Literatur, in Verbindung mit der neuartigen humanistischen Lesart, in der der Mensch als Individuum angesehen wird, schufen im 16. Jahrhundert neuartige Dramen wie das ‘‘‘Humanistendrama‘‘‘ und epische Formen wie die ‘‘‘Reiseschreibung‘‘‘ usw.. Allerdings wurde die Literatur auch im gegenreformatorischem Sinne genutzt und als eine Art Waffe eingesetzt, so bildete sich das ‘‘‘Jesuitendrama‘‘‘.
Die Entwicklung der dramatischen und epischen Formen im 16. Jahrhundert
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Die plötzliche Vielfalt der epischen und dramatischen Formen ist durch die Erfindung des Buchdrucks im 16. Jahrhundert durch Gutenberg nicht verwunderlich. Die bekanntesten Volksbücher im 16. Jahrhundert, waren neben dem Faustbuch noch „Der gehörnte Siegfried“, „Tristan“ , „ Reinecke Fuchs“ , „Till Eulenspiegel“. Letzter ist der heutigen Generation jedoch am ehesten im Gedächtnis verblieben.
Im folgenden seht ihr eine Grafik, die die Entwicklung vom Drama zur Dichtung aufzeigt.
Dr. Faustus Volksbuch
Zu jener Zeit, als die Inquisitionsprozesse und Hexenverbrennungen als ein Mittel zur moralischen Beeinflussung genutzt wurden, tritt das Sujet vom Teufelsbündnis in die Literatur ein. Dr. Faustus Volksbuch ist ganz im Sinne der neuen Reformation Luthers geschrieben, da die Reformation vom mündigen Christen spricht, der für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Anders als im heutigen Christentum, hatte Luther in seinen 95 Thesen jedoch nie einen Ablass der Sünden in Erwägung gezogen, schon alleine weil er dies zutiefst ablehnte. (Der Sünder bleibt Sünder) So erscheint es logisch, das die Vorbildfiguren der Christen im lutherischem Sinn Personen oder Figuren sind, die vor den irdischen Versuchungen warnten, und diese ganz im Sinne des Zeitgeistes ihren Weg in die Literatur fanden. So nahm man sich des Johann bzw. Georg Faust an. Der wirkliche, zeitgenössische Faust war Astrologe, Zauberer erstellte Horoskope und behauptete, dass er die Wunder Jesu wiederholen könnte. Diese Figur war jedoch im Volksglauben noch ein positiver Held und so kam es das sich dieses Bild zum Rebellen wandelte. Im Volksbuch von [Spies] wird dies als abscheuliches Exempel vorgeführt, und endet mit der Höllenfahrt als Strafe für das dargestellte Teufelsbündnis und der Distanzierung von der Kirche. In diesem Sinne kann man Faust auch als Gegner Luthers darstellen. Da Faust selbst nicht an die Barmherzigkeit und die Gnade Gottes glaubt. So wie in allen Volksbüchern der damaligen zeit enthält auch „Dr. Faustus“ eine Rahmenhandlung in die austauschbare Fabeln gelegt werden. Durch die Vermischung von Realität und Fiktion entsteht ein Unterhaltsames, Lehrreiches und Gemahnendes Werk. Aus letzterem Punkt gehört das Faustbuch auch ideologisch in die Zeit des Humanismus.
Schelmenliteratur
Die Schelmenliteratur ist eine besondere Form der Abenteuerliteratur, in dessen Mittelpunkt ein sozial unterprivilegierter Schelm steht. aus diesem Grund bezeichnet man diese Art romanhaft erzählten Geschichten auch als pikarischer Roman oder aber pikaresker Roman. Im wesentlichen wird hier aus der Sicht des Schelms die Beziehung zur Gesellschaft gespiegelt.
Durch das neue protestantische Weltbild, wurde die Literatur in Deutschland sehr geprägt. Neue literarische Impulse kommen zum Vorschein und das Selbstbewusstsein der bürgerlichen Autoren nimmt zu. Einige Beispiele für die neue satirisch groteske Epik sind die "Affentheulerlich Naupengeheuerliche Geschichtsklitterung" von 1575 und das epische Gedicht "Das Glückhafft Schiff von Zürich" aus dem Jahre 1576. Die seltsame Fülle an Narrenliteratur lässt sich durch Sebastian Brant erklären, der mit seinem Stände- und Zeitsatire "Das Narrenschiff" im Jahr 1494 eine Narrenliteraturflut auslöste. Fast zeitgleich verfasste Jörg Wickram mit seinem "Knabenspiegel" den ersten Erziehungsroman der deutschen Literaturgeschichte.
Schwank
Ein Schwank bezeichnet eine scherzhafte Form der Literatur, die in Prosa oder Versform verfasst wurde. Weil der Schwank jedoch gattungsübergreifend ist, kann man ihn sowohl zum Schwankspiel, als auch der Schwankerzählung bzw. dem Schwankmärchen zuordnen.
Im 16. Jahrhundert war der schwank das volksnahste Gerne erzählender Literatur, diese Volksnähe hat der Schwank seinem scherzhaften Charakter zu verdanken. Allerdings gab es Schwänke schon im Hochmittelalter, dort allerdings nicht ganz so weit verbreitet. Als Beispiel hierfür kann "Pfaffen Amis" dienen, eine zyklische Gruppierung von Schwänken die sich um eine zentrale Figur drehen, von Stricker, etwa aus dem Jahr 1230. Diese Art des Schwanks wurde später oft nachgeahmt. Im 16. Jahrhundert wurde dem Schwank allerdings neuartige Bedeutung beigemessen, Hans Sachs (1494-1576) verstand es wie kein anderer die Ideen der Reformation in einfacher Volkssprache zu literarisieren. Neben Sachs gab es noch zwei weitere bekannte Autoren des Schwanks, zum einen Johannes Paulis mit seinem Werk "Schimpf und Ernst" (1522), sowie Jörg Wickrams Werk "Das Rollwagenbüchlein" (1555).
Fastnachtsspiele
Die Fastnachtsspiele bezeichnen die älteste Form des weltlichen Dramas in der literarischen Geschichte. Ursprünglich stammen sie aus den germanischen Frühlingsriten, entwickelten sich jedoch zwischen 1430 und 1600 von reinen Einzelvorträgen zu lockeren Dialogen und schließlich zu Handlungsspielen mit festen Spielgruppen.
Das "Neidhartspiel" um 1200 ist das älteste bekannte, erhaltene Drama des Fastnachtsspieles und kennzeichnet das Zeitgeschichtliche hervortreten des Fastnachtsspieles im Mittelalter. Die Fastnachtsspiele beinhalten zumeist populäre und weltliche Themen, in der Handlung wird meist der Bauernstand "aufs Korn" genommen. Zwei Beispiele dafür sind "Der farendt Schuler im Paradeiß" (1550), sowie "Das Kälberbrüten" (1551). Im 15. Jahrhundert entwickelte sich dann aus dem Fastnachtsspiel auch das weltliche Lustsspiel" heraus.
Meistergesang
Als Meistergesang versteht man heutzutage die Fortsetzung der ursprünglichen Spruchdichtung und des Minnesangs durch Zunfthandwerker in den großen Städten des ausgehenden Mittelalters. Die Meisterlieder hatten biblisch-belehrenden Inhalt und wurden zumeist in Kirchen gesungen.
Durch die Weiterentwicklung des Handwerks im 14. und 15. Jahrhundert erhielten die Handwerker und Zunftmeister ein hohes Ansehen in der Gesellschaft der damaligen Zeit. Die Fähigkeit Gedichte zu fertigen erhielten die Handwerker zumeist durch fahrende Sänger, die von einer Stadt zur anderen reisten, erst später wurden Meistersingschulen in ganz Süddeutschland errichtet. Weil das lateinische jedoch weiterhin nur den Gelehrten zu kennen vergönnt war, wurde in den Meistersingschulen in deutscher Sprache gedichtet. Aus dem Minnesang übernahm man schließlich den Aufgesang mit zwei Stollen die die gleiche Melodie hatten, und einen Abgesang mit anderer Melodie. Ähnlich wie im Handwerk, so wurde auch der Meistergesang so ernst wie ein Handwerk betrachtet, wordurch sich Zünfte von Meistersängern bildeten. Hans Folz (ca. 1450-1513) der an die Tradition von Hans Rosenplüt (ca. 1400-1470) gebunden war reformierte den Meistergesang im 15. Jahrhundert. Nach der Reformierung durch Folz waren auch weltliche Themen als Inhalt von Meisterliedern erlaubt. Aus diesem Grund unterschied man in 3 Gruppen:
- Singer
- Singer sangen lediglich die bekannten Lieder.
- Dichter
- Dichter versahen alte Melodien mit neuen Texten.
- Meister
- Die Meister erfanden neue Melodien.
Üblicherweise wurde der Meistergesang in dem Singstuhle" vorgetragen.
| Humanismus | Aufklärung |
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| Nur auf Elite beschränkt. | Verbreitung an Volksschulen, viele Leser. |
