Hitlers Machtergreifung

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Inhaltsverzeichnis

Entwicklungen der Jahre 1932-1933

Im Krisenjahr 1932 spitzten sich die bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen der NSDAP und KPD immer mehr zu. Die Straßenkämpfe wurden immer heftiger und brutaler.

Die Haltung zur Weimarer Republik nahm immer mehr ab und viele Menschen waren bereit die Radikalen Parteien (KPD,NSDAP), welche die Republik umstürzen wollten, zu wählen.

1932 war die Regierung von Papen an der Macht, welches in der Bevölkerung als Kabinett der Barone verspottet wurde. Diese Regierung hatte das Ziel einen konservativen und autoritären Staat zu errichten.

Am 20.07.1932 fand der Preußenschlag statt: Die SPD-Minderheitsregierung wurde abgelöst und von Papen setzte eine ihm gesinnte Reichskommission ein. Die Notstandsverordnung war schon am 14.Juli verfasst, aber erst am 20ten erlassen, da schwere Ausschreitungen zwischen den Parteien KPD und NSDAP der perfekte Anlass war. Der Preußenschlag war verfassungsrechtlich bedenklich und die SPD legte Klage ein, aber dies brachte nichts, da ein Jahr später Hitler Reichskanzler wurde und die restlichen Parteien verbieten ließ. Somit war auf einem Schlag die größte demokratische Festung beseitigt und die logische Konsequenz ist das die liberalen Parteien sehr stark an Macht verloren haben und damit keine große Rolle mehr gespielt haben.

Wahlergebnisse der NSDAP:

  • 1928: 2%
  • 1930: 18%
  • 1932 Juli: 37%:
  • 1932 Nov.: 33%

Goebbels gab Ende 1932 bekannt, dass die NSDAP fast pleite ist und es anscheindend keine Aussichten mehr auf die erstrebte Regierungsbeteiligung gibt, da die Wahlniederlage 1932 einen langsamen Schwund der NDSAP-Wähler zeigte und zweitens Hindenburg als Reichskanzler für das Präsidenialkabinett ablehnte. Somit zeigt dies, dass Hitler nicht zwangsläufig Kanzler werden musste und seine Machtergreifung hier auch scheitern hätte können.

Ende 1932/Anfang 1933 setzten sich Großindustrielle, Konservative und radikale Kräfte dafür ein, dass Hitler als Kanzler ernannt wird. Die KPD erstärkte immer mehr und die Industrie sah ihre Existenz durch das Erstärken der Kommunisten gefährdet. Hitler versprach den Kommunismus zu unterbinden.

Schließlich einigten sich die Konserativen auf die Kanzlerschaft Hitlers, da sie ihn unterschätzten und dachten, dass er keine große Gefahr darstellen würde. Sie wollten ihn zähmen und einrahmen indem sie ihm nur zwei Minsterien gewährleisteten:

  • Innenministerium
  • Ohne Geschäftsbereich

Doch durch das Innenministerium hatte Hitler Zugriff auf polizeiliche Kräfte und er konnte die, trotz verbotene, SA einsetzen. Durch den Terror der SA ermorderte er viele politische Gegner und viele Gegner Hitlers hatten Angst gegen ihn zu agieren.

Bis Januar 1933 war Hindenburg gegen die Kanzlerschaft Hitlers, aber seine engsten Beratern sowie Industriellen drängten ihn dazu Hitler als Reichskanzler zu ernennen. Zusätzlich wurde Hindenburg versichert, dass Hitler keine große Gefahr wäre und man ihn kontrollieren könnte. Hindenburg war nicht mehr der Jüngste und konnte dem Druck nicht standhalten und deswegen ernannte er Hitler am 30.01.1933 zum Reichskanzler.

In den nachfolgenden Jahren sicherte Hitler seine Herrschaft.

Bewertung der Machtergreifung durch Historiker

Viele Historiker bewerten die Machtergreifung recht ähnlich, aber sie legen ihre Schwerpunkte unterschiedlich, welche Faktoren nun wirklich am stärksten waren, die zur Machtergreifung Hitlers geführt haben.

Eberhard Kolb

Nach Eberhard Kolb ist die Machtergreifung Hitlers multikausal, das heißt es gab mehrere Gründe und Faktoren, die eine wichtige Rolle gespielt haben:

  • Institutionelle Rahmenbedingungen: Weimarer Verfassung erlaubte die Ausheblung der Demokratie, Versailler Vertrag demütigte das Deutsche Volk usw.
  • Ökonomische Entwicklung: Durch die Weltwirtschaftkrise nahm die Ablehnung der Republik deutlich zu; viele sahen in der Weltwirtschaftskrise das Versagen der Republik; Verstärkte Zustimmung der antidemokratischen Parteien
  • Politische Kultur: Die Republik wurde zwar hingenommen, aber nicht angenommen: viele Menschen hielten an das Kaiserreich fest; fehlendes Vertrauen in die Demokratie
  • Veränderung im sozialen Gefüge: Umschichtung des Mittelstandes
  • Ideologische Faktoren: Dolchstoßlegende schührt den Hass auf die Republik
  • Massenpsychologische Momente: Die Nationalsozialisten profitierten von der schlechten Lage der Deutschen; sie nutzen diese aus und verkauften Hitler als Retter
  • Rolle einzelnder Personen: Hindenburg, welcher dem Druck der Großindustriellen nicht mehr gewachsen war

Heinrich August-Winkler

Laut Winkler gab es keinen Zwang für Hindenburg Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, denn Hitler hatte keine absolute Mehrheit:

  • Beeinflussung durch die Schwerindustrie, Landwirtschaft sowie von Papen. Das Machtgefüge um Hindenburg übte somit die Macht aus und Hindenburg sollte nur noch seine Zustimmung liefern.
  • Demokratie hatte seit dem Anfang keine starke Basis: Das antidemokratische Denken war stark verbreitet.
  • Massenrückhalt für die Republik fehlte: Nur wenige Gruppen waren bereit die Demokratie vor ihrem Untergang zu bewahren.

Karl Dietrich Bracher

Hitler ist durch Intrigen an die Macht gekommen, denn durch die legalen Wahlen hatte Hitler nie die absolute Mehrheit. Die NSDAP verlor am 06.11.1932 Stimmen, weil die Weltwirtschaftskrise langsam abklang. Zusätzlich drohte eine Spaltung der NSDAP, da es innerpolitische Schwierigkeiten gab. Zusätzlich vertitt auch Bracher die These, dass Hitler nur Reichskanzler geworden ist, weil Hindenburg sich von anderen Personen beeinflussen lies. Hindenburg wurde versichert, dass die Konservativen Hitler zähmen könnten. Sie wollten Hitler als Reichskanzler, weil er die Republik abschaffen wollte und monarchistisch-ähnliche Reformen erlassen wollte.

Die Nationalsozialisten nutzten ihre Schlüsselpositionen (Innenministerium) aus um ihre Ziele zu erreichen.

Ernst Nolte

Nolte vertritt die These, dass das Zentrum und die SPD nicht an die Demokratie glaubten, weil sie den Sozialismus als Ziel ansahen und nicht das Mehrheitsparteiensystem der Weimarer Republik. Die SPD verhinderte die Querfrontkonzeption, also die Koaltion von nationalen und linken Parteien, und damit konnte Schleicher seine Idee die NSDAP zu spalten nicht durchsetzen. Auch Nolte vertritt die These, dass Hindenburg den Widerstand gegen Hitler aufgab und somit Hitler den Weg freigeräumt hat.

Wolfram Pyta

Laut Pyta wollte das Deutsche Volk ein gesichertes System und Hindenburg sah das Präsidialsystem als Lösung, welches die Demokratie aushebelte. Zusätzlich war Hindenburg alt, verantwortungsmüde und daher konnte er die Verantwortung von Deutschland nicht mehr lange tragen. Hitler wurde als Risikooption angesehen, da er ein gesichertes System anbot (Volksgemeinschaft) und das Volk wieder erstärken wollte.

Zusammenfassung

  • Linke Parteien haben seit 1930 Einfluss verloren und insbesondere seit dem Preußenschlag kaum mehr Macht
  • Konservative wollten Demokratie ausschalten, Sozialismus bekämpfen und sahen in Hitler den Politiker, der diese Ziele erreichen sollte: Sie unterschätzen Hitler und gaben ihm Schlüsselpositionen, damit er seine Macht ausbauen konnte
  • Demokratie wurde kampflos aufgegeben: Antidemokratisches Denken war stark verbreitet, Demokratie hatte eine schwache Basis, weil sie vielen Vorurteilen (Versailler Vertrag, Dolchstoßlegende) ausgesetzt war
  • Lobbyisten/Großindustrie sowie Landwirtschaft wollten Hitler als Reichskanzler, weil sie vor derm Kommunismus fürchteten

Hitlers Machtergreifung wäre vermeidlich gewesen:

  • Hindenburg hätte Hitler nicht als Reichskanzler ernennen sollen
  • Wirtschaftliche Wende und Streitigkeiten innerhalb der NSDAP standen bevor hätten die Machtergreifung unmöglich gemacht.
  • SPD hätte durch Aufstände Demokratie verteidigen sollen

Siehe auch

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