Mittelhochdeutsche Literatur

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Die mittelhochdeutsche Literatur ist eine literarische Epoche die ca. die Jahre um 1050-1350 umfasst. Dabei wird die mittelhochdeutsche Literatur in drei verschiedene Perioden gegliedert, zum einen "frühmittelhochdeutsche Literatur", "klassische Literatur" sowie "spätmittelalterliche Literatur".

frühmittelhochdeutsche Literatur (1050-1170) klassische Literatur (1170-1250) spätmittelalterliche Literatur (1250-1350)
  • Legendendichtung
  • Mariendichtung
  • Vagantenlyrik
  • Spielmannsepik
  • höfische Epik
    • Kreuzzugsepik
    • Heldenepik
    • Artusepik
  • Minnesang
  • Kreuzlied
  • Spruchdichtung
  • Tanzlied
  • Minneleich
  • politische Dichtung
  • geistliches Schauspiel
  • Kleinepik
  • politische Dichtung
    • Spruchdichtung
    • Lehrdichtung
    • geistiges Schauspiel
  • Übergang vom Minnelied zum Meistergesang
  • Ritterroman
  • Reiseliteratur
  • Kochbuch
  • Stadtchronik
  • geistliche Kunstlyrik
  • geistliches Schauspiel

Inhaltsverzeichnis

Hintergrundwissen

Mit dem Hochmittelalter vollzieht sich in der Literatur ein grundlegender Wandel, es ist nun nicht mehr nur geistliche Literatur, die ins Zentrum der Bildung rückt, sondern auch weltliche Literatur. Dieser Prozess nimmt seinen Anfang durch die Ritterburgen und die fürstlichen Residenzen, die immer mehr Einfluss auf die Kultur ausüben. Ein Grund für diese Entwicklung war das sich die Kaiser mehr auf den Zusammenhalt des Heiligen Römischen Reiches konzentrierten und den Vasallen immer mehr Rechte übertrugen und somit auch die Verwaltung der Lehen in den Bereich der Vasallen viel. Zudem mussten die Kaiser den Vasallen immer mehr Rechte zusprechen, damit diese ihnen in den Auseinandersetzungen mit dem Papst bzw. dem Klerus behilflich waren. (d.h. sie unterstützt haben) Aus diesen Ereignissen heraus stärkte sich das Selbstbewusstsein der Vasallen enorm, wodurch eine noch nie dagewesene Blütezeit der Literatur und Kunst begann.

Im 14 Jahrhundert führten innerkirchliche Machtkämpfe schließlich zur Spaltung der Kirche, in dessem Zuge in Avignon ein Gegenpapst eingesetzt wurde, der die Macht des Klerus schwächte. Schließlich kam es zum Verfall des Rittertums und des Lehnswesens. Kurze Zeit später etablierte sich das sogenannte Raubrittertum, das mit den hohen Idealen des Hochmittelalters bzw. des Rittertums nichts mehr gemeinsam hatte. Mit dem Einzug der Geldwirtschaft und der Gründung vieler neuer Städte konnte sich der Stand des Bürgertums etablieren. Es wurden Schulen und erste Universitäten gebaut, die sehr bald schon eine eigene bürgerliche Elite ausbildeten, die die Kultur förderte. Allerdings führte im Spätmittelalter die bessere Bildung zu Machtkämpfen zwischen den Patriziern und den Zünften, sowie den Gilden, die Folge daraus war, das Handwerksmeister in Räten mit über die Geschicke der Städte entscheiden durften und sich so eine eigene Kultur schufen, die in der Literatur unter dem Begriff "Meistergesang" bekannt ist. (Im unteren Teil seht ihr zusammenfassend welche weltlichen Einflüsse auf die Literatur wirkten) Bild:Einflüsse der weltlich orientierten Literatur.jpg

Die Tradition der Legendendichtung

Zeit Werke
ca. 900 Georgslied (althochdeutsche Literatur)
ca. 950 Hrotsvith von Grandersheim (Latein)
ca. 1085 Annolied (mittelhochdeutsche Literatur)
ca. 1150
  • Mittelfränkische Legendar
  • Servatius von Heinrich von Veldeke
  • Armer Heinrich von Hartmann von Aue
ca. 1270 Legenda Aurea von Jacobus de Voragine
ca. 1300 Vaterbuch, Passional
14. Jahrhundert Hermann von Fritzlar
16. Jahrhundert Legende vom Hufeisen von Hans Sachs
19. Jahrhundert Sieben Legenden von Gottfried Keller

Etwa im Jahr 1060 entstand die "Wiener Genisis", es handelt sich dabei um eine versifizierung des 1. Buches Mose in über 3000 Reimpaaren. Aber auch weiterhin sind religiöse Verse mehr gefragt und so erstellt die Klausnerin Frau Ava (um 1060-1127) mehrere einfach strukturierte, allerdings tief religiöse Verse, die alle biblischen Thematiken umfassen, unter ihnen sind z.B. "Johannes", "Das Leben Jesu", "Der Antichrist" und "Das jüngste Gericht". Im folgenden ein Auszug.

Original Übersetzung

Johannes

Nu sul wir mit sinnen
sagen von den dingen,
wie daz zît ane viench
daz diu alte ê zergiench.
daz gescach in terra promissionis,
daz rîche was dô Herodis.
in dem zîte gescach
micheles wunders gemach.
in Galilea was äin guot man-
Zacharias gehäizan-
bî der burch ze Nazareth,
sîn wîp hiez Elizabeth.

Johannes

Nun sollen wir mit Verstand
erzählen von den Dingen,
als ein neues Weltalter anbrach,
das das alte Testament ablöste.
Es geschah im Land der Verheißung,
dessen Herrscher Herodes war.
In dieser Zeit geschahen
so manche Wunder.
In Galiläa lebte ein tüchtiger Mann-
Zacharias genannt-
bei der Stadt Nazareth,
seine Frau hieß Elisabeth

Hochklassik

Im 12 Jahrhundert entsteht nicht zuletzt durch die kirchlichen Zwiste eine stark weltlich orientierte Literatur, zu ihr gehören verschiedene Formen, die im folgenden aufgeführt sind.

Spielmannsdichtung

Der Name Spielmannsdichtung leitet sich von den Spielleuten (Spielleute:Spillute d.h. "vremde liute" -> fremde Leute) ab, die im 12. Jahrhundert als germanische Sänger noch geachtet wurden ab, allerdings zählte man sie zum fahrenden Volk oder auch beweglichem Volk. Im eigentlichen handelt es sich jedoch um die letzten Bewahrer der Überlieferungen. Im Volksmund waren die Spielleute als rechtslose Außenseiter verschriehen die die Weltlichkeit und Sinnenlust repräsentierten. Als Instrument verwendeten die Spielleute oftmals Drehleiern oder Lauten, nur selten wurden andere Instrumente benutzt.

Die Spielmannsdichtung behandelt jedoch nicht nur die germanische Heldensage und die höfische Dichtung, sondern durch die Kreuzzüge auch exotischere Stoffe die sie in Heldenepen ausdrücken. Dazu gehört 1. abenteuerliche Brautwerbung, 2. Auseinandersetzung mit den Heiden, 3. Unterhaltungseffekt, aus letzterem Grund taucht die Spielmannsepik jedoch verstärkt in mittelalterlichen Städten auf. Die Spielmannsdichtung hingegen bezeichnet nicht ausschließlich nicht geistliche, nicht höfische und nicht schriftliche Literatur, sondern fungiert mehr als eine Art Zwischenstufe zur höfischen Epik. Spielmannsdichter waren im Spätmittelalter oftmals Geistliche, die das Überlieferte durch Vermischung alter Mythen und Legenden "aufbesserten" bzw. "aufbereiteten", oder auch "anreicherten".

Höfische Dichtung

Höfische Dichtung (auch Ritterlich-höfishe Standesliteratur) ist grob umfassend jede Dichtung, die sich formal an der höfischen Gesellschaft orientiert. In den Jahren um 1170-1250 erlebt die höfische Dichtung ihren Höhepunkt, diese Phase wird auch als staufische Klassik bezeichnet. Die Hauptformen der höfischen Dichtung sind zum einen der Minnesang, der höfische Roman und die Heldendichtung. Die folgende Grafik soll dies nochmals veranschaulichen. Bild:Höfische Dichtung.jpg

Heldendichtung

Im Zentrum der Heldendichtung stand die Darstellung der adeligen Führungsschicht, so dass historisch relevante Ereignisse oftmals lediglich angedeutet wurden. Die bekanntesten Heldendichtungen sind unteranderem das althochdeutsche "Hildebrandslied", die altnordischen Heldenlieder der "Edda" und das etwa um 1200 entstandene "Niebelungenlied". Letzteres der Beispiele stellt einen Versuch dar, alle bis dahin mündlich überlieferten Heldenlieder in eine Form zu bringen, welche den Idealen der höfischen Kultur entsprach, bzw. dieser möglichst nahe kam. So wurden aus den germanischen Wehrbauern Ritter und aus den amazonenhaften Frauen wurden Damen. Das Nibelungenlied wird etwa auf die Jahre 1198-1204 datiert und ist höchstwahrscheinlich im Umkreis des Bischofs Wolfger in Passau an der Donau entstanden. Es besteht insgesamt aus 39 Abschnitten, sogenannten Aventiuren mit etwa 2400 Strophen und gliedert sich ursprünglich in zwei selbstständige Teile. Zum einen das Siegfriedlied, welches sich mit der Geschichte von Siegfried und Kriemhild befasst. Das Siegfriedlied umfasst dabei die Abschnitte 1-19. Der zweite Teil, das "Burgundenlied" befasst sich mit Kriemhilds Rache an den Nibelungen und erstreckt sich über die Abschnitte 21-39. Der 20igste Abschnitt stellt ein Übergangskapitel vom Siegfriedlied zum Burgundenlied dar. Benannt wurde das Lied nach dem König Nibelung ("Sohn des Dunkels" in Zusammenhang mit Nebel)

Kreuzzugslyrik

Die Konflikte zwischen Kaiser und Papst, die infolge eins Investiturstreits und durch Heinrichs IV gang nach Canossa zugunsten des Klerus entschieden worden waren, stellen einen wesentlichen Punkt der Kreuzzugslyrik dar. Diese Niederlage des weltlichen Kaisertums hatte weitreichende Folgen, die Kreuzzüge finden ihren Weg in die Geschichte. Mit dem Plan, Jerusalem und das Heilige Land Palistina von der Herrschaft der Muslime (Ungläubigen) zu befreien beginnt der Kreuzzug. 1099 wurde Jerusalem (3 Jahre nach dem Aufbruch der christlichen Ritterschaft) von den Christen erobert, und ein lateinisches Königreich wurde ausgerufen. Unter den Kreuzfahrern befanden sich aber auch einige fahrende Sänger, durch sie entstand die Kreuzzugsdichtung. Einige Beispiele für geschriebene Werke sind: "Rolandslied" von Konrad dem Pfaffen (ca. 1170), "Willehalm" Epos von Wolfram von Echenbach (ca. 1170/1180 - 1220), Lieder Friedrichs von Hausen (vor 1171-1190) usw.

Artus Dichtung

Die Artus Dichtung ist die wohl bekannteste Dichtung dieser Zeit, im Hochmittelalter setzt sich im mittelhochdeutschen Sprachraum die Beschäftigung mit dem keltischen König Artus und seiner Tafelrunde durch. Die Tatsache, das diese Texte so oft Rezitiert und wiedergegeben wurden liegt vor allem an der neuen Stellung des Rittertums. (Es entsteht auch ein neues Heldenideal)

Aufgaben der Ritter ritterliche Tugenden
  • Treuer Dienst für den Herrn
  • Dienst für Kirche und Christenheit (Kreuzzug, Hilfe für Arme und Schwache, Friedfertigkeit untereinander)
  • Frauendienst
  • Treue und Aufrichtigkeit (triuwe)
  • Tapferkeit und seelisches Hochstimmung (hôher mout)
  • Anstand, Wohlerzogenheit und Selbstbeherrschung (zuht und mâze)
  • Ansehen, Geltung und Würde (êre)
  • Freigebigkeit (milte)
  • Beständigkeit und Verlässlichkeit (staete)

Die drei bekanntesten Werke jener Zeit sind "Erec" von Hartmann von Aues, "Iwein"(12. Jahrhundert) auch von Hartmann sowie "Parcival" (1210) von Wolfram von Echenbach. "Parcival" ist das erfolgreichste Werk der Artus Dichtung mit etwa 80 Handschriften. "Parcival" besteht aus etwa 25000 Versen, die in 16 Büchern gegliedert sind.

Minedichtung

Bei der Minnedichtung handelt es sich um eine Art der Dichtung, die vor allem das Weibliche (Frau/Dame) als Verkörperung Gottes auf Erden betrachtet. Es geht prinzipiell also um die Anbetung einer höhergestellten Frau (Ständesystem) als Herrin (Anbeter = Diener) durch einen Gefolgsmann. Die Minnedichtung muss allerdings mehr transzendent, also gedanklich betrachtet werden, weil die Handlungen und Taten der Minnedichtung oftmals rein gedanklicher Natur waren. (vlg. meminni = gedenken)

Die Minnedichtung ist das Ergebnis hochmittelalterlicher Liebesvorstellung, denn anders als die heutige Liebe, die wir ja mehr auf Partnerschaft beziehen und oftmals mit Nutzbeziehungen verwechseln, ist die Liebe im Hochmittelalter ein sehr komplexes Konstrukt. Die hochmittelalterliche Liebe der Ritter ist als ein entsagungsvolles Sehnen nach Tugend und Sittlichkeit zu verstehen, im Gegenzug zieht der Ritter unter Einsatz seines Lebens in die Schlacht und nimmt an Turnieren teil, er steht jedoch immer freudig dem Tod gegenüber. Die Herrin (Frau/Dame) wird in diesem Bezug, symbolisch für die Suche der Liebe zu Gott und der Jungfrau Maria verstanden.

Ziel des Minnegesangs war folglich eine charakterliche Läuterung des Ritters, allerdings nicht nur, denn überdies folgte der Minnegesang auch einem religiösem Ziel, und zwar die Verwendung des Ritters in den Machtkämpfen der damaligen Zeit.

Die Minnelyrik hingegen variierte in ihren Motiven und Formen sehr stark und wurden zumeist mit der Laute vorgetragen.

  • Arten der Minnedichtung:
    • Kanzone
    • Kreuzlied (vlg. Kreuzzüge und Kreuzzugsdichtung)
    • Pastourelle
    • Tanzlied
    • Tagelied
    • Minneleich

Pastourelle

Bei der Pastourelle handelt es sich um einen gängigen und häufig vorkommenden Liedertyp des Mittelalters. Der Inhalt ist meistens gleich und variiert nur sehr geringfügig. Eine höher gestellte männliche Persönlichkeit (Ritter,Kleriker, Scholar usw.) trifft rein zufällig irgendwo im Freien ein Bauernmädchen, zumeist eine Hirtin und versucht sie zu einem Liebesabenteuer zu überreden. In einigen Fällen funktionierte das Überreden jedoch nicht und so wurde das Mädchen auch mal zu ihrem "Glück" gezwungen, dies jedoch auch nicht immer mit Erfolg.

Tagelied

Bei dem Tagelied handelt es sich um ein rein stoffliche orientiertes Werk, weil es den Beginn des Tages, d.h. den Morgen beschreibt.

Tanzlied & Minneleich

Beim Tanzlied, sowie beim Minneleich handelt es sich um ein Werk, welches auf rhythmischen Strukturen basiert, um die Tanzbarkeit (also das Tanzen zum Lied) zu gewährleisten, dazu musste das Tanzlied bzw. auch der Minneleich einem Musikstück rhythmisch angeglichen werden.

Kanzoe

Die Kanzone ist ein provenzalischer Name für das französische Minnelied, es ist zweiteilig aufgebaut wobei die erste Hälfte jeweils aus zwei Reimpaaren besteht.

Politische Dichtung

Die politische Lyrik ist eine komplexe, nach Karl Simrock (1802-1876) als Spruchdichtung bezeichnete Lyrik. Sie behandelt vor allem die Fragen der richtigen oder falschen Lebensführung, die Problematik der Sängerexistenz, sowie weitere politische und religiöse Themen, damit ist für diese Art der Lyrik ach eine gewisse Positionierung zu moralischen/ethischen Werten elementar. Der bedeutendste Verfasser politischer Lyrik war Walter von der Vogelweide (um 1170- ca. 1230), Vogelweide verbrachte seine Zeit auf vielen Höfen, angefangen bei Wien bis hin zu Meißen, wo er offenbar seine Zeit mit/bei dem Marktgrafen Dietrich verbrachte. Dieser war Anhänger der Welfen und so verfasste Vogelweide dort auch sein später bekanntes Papst-Gedicht, in dem er den Papst selber kritisiert.

Spätmittelhochdeutsche Literatur

Diese Art der Literatur beschäftigt sich mit dem altgermanischen Sagenkreis um Dietrich von Bern. Im 13. Jahrhundert erlebte diese Lyrik einen neuen Höhepunkt durch zahlreiche Epen. Hier sind vor allem die Dietrich Epen "Dietrichs Flucht", "Die Rabenschlacht" und "Alpharts Tod" zu nennen, die von der Vertreibung Dietrichs aus Italien handeln. Anders als man es bis dahin gewohnt war, weisen die ehr aventürehaften Epochen viele Züge von Märchen auf, so kämpft Dietrich in ihnen beispielsweise gegen Elfen, Zwerge und die Helden der Nibelungensage.

Siehe auch

Epochen der Deutschen Literatur
Gattungen Deutscher Literatur

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