Sprachskepsis
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Sprachskepsis ist die Bezeichnung für den Zweifel vieler Autoren des ausgehenden 19. und des 20. Jhs. daran, dass die Wirklichkeit objektiv erkennbar und mit Hilfe von sprachlichen und literarischen Mitteln darstellbar sei. Die Aufgabe der Sprache verlierte somit ihren ursprünglichen Sinn.
Beispiele
Lord Chandos in "Ein Brief" von Hugo von Hofmannsthal beschrieb, dass die Sprache ihn einschränke, er nicht alle Vorgänge in Worte verfassen könne, weil sich die Gesellschaft zu rasch entwickle und er in Sprachnot verfalle: Es fehlen die Worte, um die persönlichen Umstände durch Ergebnisse der rasanten gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen/Erkenntnisse zu beschreiben. Einfacher: Die "alte" Sprache kann die neuen, komplexen Sachverhalte nicht mehr ausdrücken -> Es herrscht Sprachnot.
Rilke war Verfechter der Theorie, dass die Menschen immer für alles Wörter suchen und er dies hasst, weil dadurch geht der empfundene Sinn bzw. die Schönheit verloren und die Dinge werden durch die Wörter alltäglich.
Nietzsche sagte, das die Sprache kein adequates Ausdrucksmittel für die Wahrheit sei, da die Sprache stets subjektiv sei und somit eine klare Wahrheit nicht zum Ausdruck gebracht werden könne. Wir würdem ledigliche solche Metaphern der Dinge, die wir versuchen durch Worte auszudrücken, kennen, die die ursprünglichen Wesenheiten jener Dinge nicht entsprechen - quasi Unwahrheiten beschreiben.
Törleß, Antiheld des Gesellschaftsromans "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil empfand, wie Chandos, ebenfalls eine Sprachnot, da für den Ausdruck seiner chaotischen und komplizierten inneren Vorgänge (z.B. Verarbeitung von Eindrücken und Gefühlen) keine angemessenen Worte existierten.
Werther in dem Werk "Die Leiden des jungen Werthers" von Goethe hatte selbst Sprachnot weil er die Vorgänge der Natur nicht beschreiben konnte, weil sie für ihn unbeschreiblich schienen und er konnte die Schönheit der Natur nicht in Wörter fassen.
